Die Wiener Kaffeehauskultur

Ein typisches Wiener Kaffeehaus ist mehr als ein Café. Es ist eine Institution.

Im Jahre 1685 erteilte Kaiser Leopold I. einem Armenier namens Johannes Theodat die Erlaubnis, Kaffee und Tee auszuschenken. Schon nach zwei Wochen entstand das erste kleine Kaffeehaus in einem kleinen Zimmer, nur mit einfachen Holzbänken ausgestattet. Das Bild hat sich im Laufe der Jahrhunderte natürlich gänzlich gewandelt. Die Wiener Kaffeehauskultur ist entstanden. In einem solchen typischen Lokal wird der Gast von einer geradezu kaiserlichen Atmosphäre empfangen. Meist hängen große Spiegel an den Wänden, die kleinen Tische haben Marmorplatten und die geschwungenen, sogenannten „Thonet-Stühle“ sind zu einer Ikone der Kaffeehausmöbel geworden. Immer gegenwärtig sind auch die neuesten Tageszeitungen.

Wiener Melange, Schlagobers und köstliche Torten

Das Wichtigste jedoch ist natürlich der Kaffee selbst. Es gibt die verschiedensten Variationen, die alle einen eigenen Namen tragen. Die Palette reicht vom „Kleinen Schwarzen“ über den „Fiaker“ mit Rum, dem „Kaisermelange“ mit Eidotter, dem „Wiener Melange“ mit Milchschaum bis hin zum „Einspänner“ mit reichlich Schlagobers. Die Aufzählung ist natürlich nicht vollständig. Zum Kaffee werden auch kleine Leckereien serviert, wie Apfelstrudel, hausgemachte Kuchen und Torten. Einige hauseigen Patisserien bieten auch Freihaus-Lieferungen an, ähnlich wie bei deinetorte.de.

Das gemütliche Flair dieser Einrichtungen führte dazu, dass sich viele Literaten und andere Künstler gerne in den Kaffeehäusern aufhielten und sich dort dem Gedankenaustausch widmeten. Das ging so weit, dass eine eigene Kaffeehausliteratur entstand. Arthur Schnitzler, Oskar Kokoschka, Alban Berg und Leo Trotzki sind nur einige von ihnen. Hier konnten sie stundenlang bei einem Kaffee sitzen, schwadronieren und dabei die neuesten Tagesereignisse auswerten.

Kaffeehaustradition als Weltkulturerbe

Bis heute gibt es in Wien eine Reihe von Kaffeehäusern im traditionellen Stil, die sich gegen den neuen Trend von modernen Cafèbarketten durchgesetzt haben. Eines der schönsten ist das Café Central im Palais Ferstel. Es wurde 1876 gegründet und ist nicht nur für seine exzellenten Kaffee bekannt, sondern auch für verführerische Köstlichkeiten aus der eigenen Patisserie. Wer würde bei Punschkrapfen oder Marillenknödeln nicht schwach werden?

Die Wiener Kaffeehauskultur gehört zum immateriellen Weltkulturerbe der UNESCO und ist eine letzte Festung wahrer Gemütlichkeit. Wen es einmal nach Slowfood gelüstet, dem sei zu einem Besuch in einem echten Wiener Kaffeehaus geraten. Hier heißt es noch: „Küss die Hand, gnädige Frau!“ Wiener Schmäh eben. Wie charmant!

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